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Diskussionsratgeber für Weihnachtsfeiern

Auf der Weihnachtsfeier oder ähnlichen Veranstaltungen treffen oft viele Menschen mit teilweise sehr unterschiedlichen Auffassungen aufeinander. Da passiert es schnell, dass auch Menschen dabei sind, die gerne „die Sonne ausschalten“ würden, um den Klimawandel aufzuhalten, oder die den Klimawandel generell leugnen oder nicht als menschengemacht ansehen.

Mit solchen Menschen zu diskutieren kann oft sehr anstrengend, kräftezehrend und aufwühlend sein. Um euch nicht unvorbereitet in solche Situationen zu schicken und euch Argumente zu geben, mit denen ihr Klimaleugner*innen auf der Familienfeier auseinandernehmen könnt, haben wir einen kleinen Diskussionsratgeber geschrieben 🙂

Achte auf deine Grenzen

Diskussionen mit Klimaleugner*innen, Schwurbis und Rechten können sehr anstrengend sein und mensch teilweise stark belasten. Daher ist es wichtig, auf die eigenen Grenzen zu achten.
Hältst du es nicht mehr aus, mit dieser Person zu diskutieren? Fühlst du dich unwohl? Fühlst du dich angegriffen oder beleidigt? Dann beende die Diskussion und zieh dich zurück.
Es ist nicht schlimm, eine Diskussion zu verlassen, wenn die eigenen Grenzen überschritten sind. Es ist auch kein Eingeständnis einer vermeintlichen Niederlage in der Diskussion.
Nein, es ist vernünftig, auf die eigenen Kapazitäten zu achten und, wenn es mensch zu viel wird, sich zurückzuziehen.

Wie mit Menschen sprechen?

  1. Radikale Freundlichkeit
  2. Sachlich argumentieren, nicht persönlich angreifen

Stammtischparolen, die ihr vielleicht hören werdet

In einer Diskussion mit Rechten, Schwurbis und Klimaleugner*innen kann es durchaus vorkommen, dass ihr auf folgende Stammtischparolen und Mythen triffst. Daher haben wir Argumente vorbereitet, um diese zu entkräften:

Der Klimawandel ist garnicht menschengemacht (gibt’s doch gar nicht)!!“

Doch, der Klimawandel ist menschengemacht. Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurden durch die Menschheit Unmengen an Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen ausgestoßen und sind in die Atmosphäre gelangt. 

Sicherlich gibt es Kälte- und Wärmeschwankungen, also eine Art natürlichen Klimawandel, den gab es immer schon, z.B. infolge von Vulkanausbrüchen oder einer veränderten Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass der durch den anthropogenen Treibhauseffekt verursachte Klimawandel all das übersteigt, was es an natürlichen Veränderungen im Klima gibt. Denn der momentane Klimawandel geht viel schneller voran, als natürliche Klimawandel in der Vergangenheit. Diese haben über einen Zeitraum von Jahrtausenden stattgefunden, während man beim momentanen eher von Jahrzehnten sprechen kann. Der Klimawandel, unter dem die Welt zurzeit leidet, ist menschengemacht und auf menschliche Treibhausgasemissionen zurückzuführen [Q1, Q9].

So schlimm ist der Klimawandel gar nicht!!!“

Das sagst du vielleicht aktuell, aus deiner privilegierten Perspektive als Einwohner*in eines reichen Industriestaates des globalen Nordens. Und klar, dich trifft der Klimawandel bei weitem nicht so hart wie andere. 

Doch viele andere trifft der Klimawandel eben sehr hart: Durch den Klimawandel nehmen Dürren, Lebensmittelknappheiten, Konflikte, Armut und Vertreibung immer weiter zu. Das hat vor allem für die Menschen im globalen Süden verheerende Folgen – viele müssen fliehen, ihr Zuhause zurücklassen, um sich vor Überschwemmungen und nicht mehr auszuhaltender Hitze, vor Hunger und vor Armut zu retten [Q2].

Sicher denkst du, dich als gebürtige*n Deutsche*n würde der Klimawandel niemals so hart treffen, niemals auch nur im Ansatz. 

Dabei spürt mensch den Klimawandel auch hier schon in großem Ausmaße: Immer längere und härtere Hitzewellen führen zu Wald- und Moorbränden. In den Städten wird es im Sommer oftmals so heiß, dass viele Menschen nicht einmal mehr in der Lage sind, zu arbeiten. 2022 sind in Deutschland z.B. 34 Millionen Arbeitsstunden aufgrund von Hitze ausgefallen [Q3]. Hitze ist ungesund und macht auch hier Menschen krank. Auch Naturkatastrophen, wie die Flut im Ahrtal, werden durch den Klimawandel wahrscheinlich. Solche Regenfälle wie im Ahrtal werden durch den bisherigen Temperaturanstieg um bis zu neun Mal wahrscheinlicher [Q8].

Zudem ist der Klimawandel sehr teuer, auch für uns. Die Folgen des Klimawandels könnten Unmengen an Geld kosten, die dann an anderer Stelle fehlen [Q4].

Also trifft der Klimawandel auch dich in deiner privilegierten Situation, er trifft nicht „nur“ MAPA und andere Menschen, die vornehmlich im globalen Süden unter den Folgen des Klimawandels leiden.

„Es schneit doch, wo Klimawandel?!?“

Es schneit, schön. Das ist eine Wettererscheinung – nicht das Klima. Das Klima bezeichnet Temperatur- und Niederschlagsentwicklungen über einen langen Zeitraum, oft wird mit 30 Jahren gerechnet. Von einem (einmaligen) Wetterereignis wie bspw. Schneefall nun auf das ganze Klima zu schließen, ist faktisch einfach falsch und nicht möglich.

Hinzu kommt, dass der Klimawandel Schneefall nicht ausschließt. Durch den Klimawandel steigt die Durchschnittstemperatur weltweit und damit auch hier in Deutschland. Das heißt aber nicht, dass es dauerhaft, über das ganze Jahr hinweg, 30°C heiß ist. Auch in Zeiten des Klimawandels gibt es Temperaturschwankungen. Da kann es an einem Tag -5 Grad kalt und am anderen 10 Grad warm sein. Denn, wie gesagt, Klima bezeichnet nicht das Wetter, sondern, wenn mensch so will, die Entwicklungen von Wetter. Und wenn es in einer Woche im Dezember schneit, die anderen drei Wochen aber die Temperatur deutlich überm Gefrierpunkt liegt, ist trotzdem festzustellen, dass es tendenziell immer und immer wärmer wird – auch im Winter [Q5].

„Aber China“

China ist das Land mit den mit Abstand höchsten CO2-Emissionen weltweit. Das ist nicht zu leugnen. 

Doch ist das nur eine Zahl, diese Aussage betrachtet allein die Netto-Treibhausgasemissionen.

Es gibt aber auch noch andere Faktoren, die zu betrachten sich lohnen. 

Beim Pro-Kopf-Ausstoß von Kohlenstoffdioxid bspw. liegen Golfstaaten wie Katar und einige Karibik-Inseln ganz weit vorne. Chinas Pro-Kopf-Emissionen liegen verglichen damit auf Platz 48 relativ niedrig, liegen sogar unter den Pro-Kopf-Zahlen für Deutschland, das auf Platz 38 liegt.

Hinzu kommt, dass Chinas Kohlenstoffdioxid-Emissionen bis jetzt im historischen Vergleich noch nicht so viel zum Klimawandel beigetragen haben – denn erst in den letzten Jahrzehnten ist China wirtschaftlich so stark gewachsen und hat solch große Emissionen produziert wie heute. Entscheidend für den Klimawandel, bzw. wie er sich heutzutage auf uns  auswirkt, sind aber historische Treibhausgasemissionen, die in den letzten 100 bis 200 Jahren produziert wurden. Diese Emissionen gingen vor allem von europäischen Industrienationen und den USA aus [Q6]. Außerdem darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass China der weltweit größte Exporteur ist und somit viele Produkte, die in Deutschland konsumiert werden aus China stammen [Q7]. Damit ist Deutschland dann durchaus auch in gewissem Grad für die Emissionen verantwortlich.

Das soll natürlich nicht heißen, dass China keinen Klimaschutz machen muss. Dafür, dass in China mehr Klimaschutz betrieben wird gibt es auch vor Ort Fridays for Future Ortsgruppen, wie z.B. in Hong Kong.

Mit „Aber China“ können wir uns also nicht aus der Verantwortung ziehen, die die Industrienationen des globalen Nordens im Klimawandel tragen. Diese nämlich haben massiv zum Klimawandel beigetragen – China hin oder her.

Viel Erfolg!

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