Rodungsstopp Jetzt!

Quelle: t.me/medienverteilerdanni

Die schwarz-grüne Koalition in Hessen und das Bundesverkehrsministerium scheinen sich nach wie vor einig zu sein, dass die Klimakrise kein Grund ist, eine Autobahn nicht zu bauen oder damit aufzuhören, Wälder zu roden. So weit, so bekannt. In den letzten Tagen ist darüber hinaus deutlich geworden, dass die A49 Leben kosten könnte, lange bevor sie in Betrieb genommen wird.

Die Verantwortlichen vor Ort haben am Sonntag (15.11) und am Montag (16.11) überdeutlich gezeigt, wie egal ihnen das Leben der Aktivist*innen ist, welche sich für die Verkehrswende einsetzen. Was war geschehen?

Am Sonntagmorgen war ein Mensch aus einem Tripod (eine Holzstruktur aus drei Baumstämmen, in der ein Mensch hängt) mehrere Meter in die Tiefe gestürzt. Zuvor hatte ein Polizist das gekennzeichnete Sicherungsseil gekappt, woraufhin der Sturz folgte. Nachdem die Polizei trotz Augenzeug*innen leugnete, etwas mit dem Vorfall zu tun zu haben, musste sie in der Folge zugeben, dass das Seil von einem Beamten durchgeschnitten worden war. Die Rechtfertigung liest sich geradezu sarkastisch: das Seil wurde gekappt, weil es sich auf Kopfhöhe befunden hatte und eine Gefahr vermutet wurde. Verschwiegen wird, dass überall darauf hingewiesen wird, dass das Kappen von Seilen potenziell tödlich sein kann. Die Versuche, diese Konstruktionen als Fallen darzustellen, entbehren jeglicher Grundlage. Es ist absurd, das Sicherheitsseil als Gefahr für andere Menschen darstellen zu wollen, um das Verhalten des Polizeibeamten zu rechtfertigen, welcher den Sturz verursachte. Die Aktivistin überlebte den Vorfall nur schwerverletzt.[1]

Nur einen Tag später waren es Forstarbeiter*innen, welche das Leben der Aktivisti bedrohten. Trotz eindringlichen Hinweisen fällt ein Forstarbeiter einen Baum, an dem eine Traverse gespannt war, in der ein Mensch hing. Nur durch riesiges Glück und die zufällige Doppelsicherung des Aktivisti fiel dieser anschließend nicht in die Tiefe, sondern baumelte am Seil, das glatt durchriss. Die Polizei schaute mit mindestens zwölf Beamten zu und griff nicht ein.[2] In der Fußnote findet sich ein Video des Vorfalls.

Trotz den beiden vorangegangen Vorfällen, bei denen die extreme Fahrlässigkeit der Polizei fast Menschenleben gekostet hatten, kam es am Samstagmorgen (21.11) erneut zu einem Sturz aus einem Tripod, der durch das Durchtrennen eines Sicherungsseils durch Polizeikräfte ausgelöst worden ist.[3]

Wenn der Einsatz fortgeführt wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Menschen sterben. Natürlich ist diese Eskalation der Gewalt aber auch im Kontext zu sehen: der Bau dieser Autobahn, die Abholzung des Waldes, das Festhalten am fossilen Verkehrssystem trotz Klimakrise- all das ist an sich schon ein Verbrechen, ein Akt der Gewalt, der Menschenleben kosten wird. Die aktuellen Ereignisse sind nur die Spitze des Eisbergs. Trotzdem soll dies nicht die akute, direkte Gewalt relativieren. Auch unabhängig von den hier beschriebenen Vorfällen gibt es beinahe täglich Berichte über gekappte Seile oder ähnlich gefährliche Eingriffe, sodass es schwer in Worte zu fassen ist, wie sehr uns die Situation im Danni bedrückt und wütend macht.

Das Motto der Polizei „Sicherheit vor Geschwindigkeit“ klingt angesichts dessen wie Hohn.[4] Wir fordern deshalb den sofortigen Rodungsstopp und den Abbruch des Polizeieinsatzes rund um den Danneröder Forst. Das kann zwar nur ein erster, kleiner Schritt auf den Weg in eine einigermaßen gerechte und lebenswerte Zukunft sein, ist jedoch akut notwendig, um Menschenleben zu retten. Dass der geforderte Rodungsstopp möglich ist, enthüllt jüngst der BUND, der die Urteilsbegründung des Oberverwaltungsgerichts zur A49 auswertete.[5]

Wir solidarisieren uns weiterhin mit den Aktvist*innen in und um den Danni.

Danni bleibt!


[1] https://taz.de/Polizeieinsatz-im-Dannenroeder-Forst/!5725394/

[2] https://twitter.com/Ende__Gelaende/status/1328732721443721221

[3] https://taz.de/Protest-im-Dannenroeder-Forst/!5730289/

[4] https://www.youtube.com/watch?v=rDMJIx0jz44

[5] https://www.oberhessen-live.de/2020/11/23/bund-fordert-landesregierung-zum-handeln-auf-rodungsstopp-ist-rechtlich-moeglich/

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